Grenzüberschreitender Artenschutz

LPO und NABU stellen Vision für Ramsar-Gebiet vor - Interreg-Projekt am Oberrhein ist Startpunkt für deutsch-französische Strategie

Das Oberrheingebiet trägt als Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung den Titel „Ramsar-Gebiet“. Auf beiden Seiten des Flusses leben selten gewordene und bedrohte Vogelarten wie Großer Brachvogel, Wachtelkönig, Braunkehlchen und Kiebitz. Doch die nationalen Schutzbemühungen aus Deutschland und Frankreich endeten bisher am Rhein. Im Projekt „RAMS’ Artenschutz“ haben die französische LPO (Ligue pour la protection des oiseaux), das ILN (Institut für Landschaftsökologie und Naturschutz) sowie der NABU Südbaden innerhalb von drei Jahren, zusammen mit den Regierungspräsidien Freiburg und Karlsruhe sowie weiteren Partnern, eine gemeinsame Vision für den grenzüberschreitenden Artenschutz im Ramsar-Gebiet Oberrhein entwickelt.

 

Die Ergebnisse des dreijährigen Projekts stellten die Vertreterinnen und Vertreter der Naturschutzverbände aus dem Elsass und Baden-Württemberg heute bei einer binationalen Abschlussveranstaltung in Straßburg vor. Sie bildet zugleich den Auftakt für eine strategische Zusammenarbeit zum Schutz der bedrohten Zielarten und ihrer Habitate im Ramsar-Gebiet Oberrhein/Rhin supérieur.

 

NABU und LPO beklagen, dass bisher ohne die grenzüberschreitende Zusammenarbeit wichtige Informationen, Wissen und Knowhow verloren gingen. So entstand die Idee, sich gemeinsam und koordiniert für den Schutz bedrohter Arten am Oberrhein einzusetzen. „Unser gemeinsames Ziel ist, Hand in Hand für seltene und geschützte Arten am Oberrhein aktiv zu werden und deren Lebensraum nachhaltig zu verbessern“, sagt Felix Bergmann von der NABU Bezirksgeschäftsstelle Südbaden.

 

Projekt nimmt 22 bedrohte Arten unter die Lupe

In 36 Monaten haben sich die naturschutzfachlichen Kolleginnen und Kollegen dies- und jenseits des Rheins über Monitoring und Schutzmaßnahmen ausgetauscht, Organisationsstrukturen verglichen und sich über die Landesgrenze hinweg vernetzt. Sie haben 22 bedrohte Wirbeltierarten – darunter 17 Vogel-, drei Amphibien- und zwei Säugetierarten – genauer unter die Lupe genommen und ihre Lebensräume erfasst und bewertet. Darunter sind Arten wie der an Fließgewässern lebende Flussuferläufer oder die Bechsteinfledermaus, die bevorzugt in naturnahen Eichenwäldern lebt. Für diese Arten sollten in Abstimmung mit den Naturschutzbehörden grenzüberschreitende Schutzprogramme und gemeinsame Aktionspläne entwickelt werden. „Wir haben gemeinsame Ziele für das Gebiet festgelegt und mussten dafür unsere Methodik zur Erfassung und Kartierung der Arten auf badischer und elsässischer Seite angleichen“, so Bergmann. Doch weil ein solches Maßnahmenpaket sehr umfangreich ist, will man sich zunächst auf einige Arten fokussieren.

 

Für diese ausgewählten Arten wird ein Fortsetzungsprojekt angestrebt, das ab Frühjahr 2019 konkrete Maßnahmen umsetzen soll. Die Arten sollen repräsentativ für die Lebensräume Wald, Wasser, Offenland und Streuobst sein. Zugleich profitieren von dem Schutz dieser sogenannten Schirmarten weitere bedrohte Tiere. Über die Herausforderungen sagt Bergmann: „Wir wollen wissen, wie sich diese besonderen Arten in Zukunft entwickeln, ob unsere Maßnahmen greifen und wie wir zu ,Best Practice‘ kommen.“ Sein französischer Kollege Christian Braun, Geschäftsführer der LPO Alsace, ergänzt: „Mit diesem einmaligen, deutsch-französischen Projekt sind wir beim Artenschutz am Oberrhein einen großen Schritt vorangekommen. Jetzt wollen wir Aktionspläne für sechs ausgewählte Zielarten entwickeln.“

 

Hintergrund zu Ramsar am Oberrhein

  • Das Interreg-Projekt Rams‘ Artenschutz mit einem Volumen von rund 800.000 Euro wurde je zur Hälfte von der Europäischen Union aus Mitteln des Interreg V-Programms sowie von zahlreichen weiteren öffentlichen und privaten Einrichtungen finanziell unterstützt, darunter die Regierungspräsidien in Karlsruhe und Freiburg. Interreg ist ein Förderprogramm der EU zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit (www.interreg.de). 
  • Projektträger sind die französische LPO (Ligue pour la protection des oiseaux), Projektpartner das Institut für Landschaftsökologie und Naturschutz (ILN) und der NABU Südbaden.
  • Projektziel war es, die Akteure im Schutzgebiet besser zu vernetzen und die Naturschutzarbeit zu koordinieren. Das Ramsar-Gebiet Oberrhein und daran angrenzende Natura-2000-Feuchtgebiete umfassen etwa 8.750 Quadratkilometer.
  • Im Fokus standen zunächst 17 Vogelarten und fünf weitere Wirbeltierarten, von denen jetzt sechs sogenannte „Schirmarten“ für ein mögliches Nachfolgeprojekt ausgewählt wurden.

 

Was ist Ramsar? 

  • Am 2. Februar 1971 unterzeichneten Regierungsvertreter von 18 Nationen in der am Ufer des Kaspischen Meer gelegenen Stadt Ramsar (Iran) die gleichnamige Konvention zum weltweiten Schutz von Feuchtgebieten. Das Übereinkommen zählt zu den wichtigsten Naturschutzvereinbarungen und hat zur Errichtung des größten Schutzgebietsnetzwerkes der Welt geführt.
  • Weltweit werden mehr als 1.600 international bedeutende Moore, Seen, Flussgebiete als „Ramsar-Gebiete“ gelistet. In Deutschland wurden 34 Gebiete mit einer Gesamtfläche von fast 870.000 Hektar offiziell nominiert, darunter der Ammersee, der Chiemsee, die Donau- und Elbauen, Teile des Wattenmeers und des Bodensees. Als Nummer 34 kam 2008 der Oberrhein mit mehr als 25.000 Hektar Fläche hinzu.

 

RAMS' Artenschutz - Ergebnisse
Bilanz-RamsArtenschutz 2018.pdf
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Ausführlicher Pressebericht der BNN zum Projekt
Echo - Ramsar Rhinature 170530_110_HP_0
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