Keine Seilbahn durch das Naturschutzgebiet Taubergießen !


Der NABU lehnt den Plan des Europa-Parks Rust, eine Seilbahn mitten durch das sensible Naturschutzgebiet über den Rhein ins Elsaß zu bauen, entschieden ab.

Der Taubergießen ist mit fast 1.700 Hektar eines der größten Naturschutzgebiete in Baden-Württemberg.  Als Natura 2000- und Ramsargebiet steht er außerdem unter europäischem Schutz.  Das Gebiet ist einer der letzten Rückzugsräume für die Natur am Rhein. Urwaldarrtige Auenwälde, stehende und fließende Gewässer, Uferzungen, Wiesen und Halbtrockenrasen beherbergen unzählige Tier- und Pflanzenarten. Allein etwa 220 verschiedene Vogelarten wurden hier nachgewiesen.

Der Bau einer Seilbahn quer durch das Naturjuwel Taubergießen und auf französischer Seite durch das Naturschutzgebiet Ile de Rhinau würde  einen massiven Eingriff in das europäische Naturerbe bedeuten.

Nachhaltige Störungen von Greifvögeln, darunter Seeadler, Reihern und Wasservögeln an ihren Brut-, Rast- und Schlafplätzen wären unvermeidlich.

 

Der Taubergießen ist kein Ort des Freizeit-Rummels, sondern der weitgehend unberührten Natur für Tiere, Pflanzen und auch den erholungssuchenden Menschen.

Die Seilbahn darf deshalb keine Realität werden !

 

Im folgenden sind einige Stellungnahmen und Artikel zum Thema aufgeführt.

 

NABU

Stellungnahme des NABU-Bezirksverbandes Südbaden im Interview mit der

Badischen Zeitung

 

(Badische Zeitung, 8.11.2018)

Eisvogel, Pirol und Kormoran: Das Naturschutzgebiet Taubergießen ist Lebensraum seltener Vogelarten. Jetzt will Europa-Park-Geschäftsführer Michael Mack eine Seilbahn quer durch das Gebiet bauen. Über die Pläne sprach Jannik Jürgens mit Martin Neub vom Naturschutzbund (Nabu), der im Taubergießen bei Kappel-Grafenhausen eine Schutzstation betreibt.

 

BZ: Herr Neub, was halten Sie von den Plänen der Familie Mack, eine Seilbahn durchs Naturschutzgebiet Taubergießen zu bauen?

Neub: Das könnte ein großes Problem für den Naturschutz darstellen, denn die Seilbahn würde durch Vogelschutzgebiet und FFH-Gebiet führen. Der Betrieb der Bahn könnte unter anderem die Vögel stören. Und Baumaßnahmen in einem Naturschutzgebiet sind meistens kritisch. Falls eine Ausstiegsstelle geplant ist, würde das zu einer Beunruhigung des gesamten Gebiets führen.

 

BZ: Welche Vögel könnten durch die Seilbahn beeinträchtigt werden?

Neub: Spontan fallen mir da Greifvögel und Reiher ein, die in dem Gebiet jagen und brüten. Sie könnten durch die beweglichen Gondeln beeinträchtigt werden. Eine Seilbahn ist ja etwas völlig anderes als ein Aussichtsturm, der stillsteht und an den sich die Vögel gewöhnen können. Bisher wissen wir allerdings noch sehr wenig über das Projekt, deswegen ist es auch schwierig, darüber zu urteilen. Es gibt noch gar keine Unterlagen.

 

BZ: Der Geschäftsführer des Europa-Parks, Michael Mack, hat angekündigt, die Naturschutzverbände miteinzubeziehen. Hat er schon mit ihnen geredet?

Neub: Nein, Herr Mack ist bisher noch nicht auf uns zugekommen. Wir haben von dem Projekt aus der Zeitung erfahren.

 

BZ: Sie wurden also überrascht?

Neub: Das kann man wohl sagen. Insbesondere, weil momentan ein neues Besucher-Lenkungskonzept im Taubergießen erarbeitet wird, im Auftrag und unter Beteiligung des Regierungspräsidiums zusammen mit uns und den anderen Akteuren im Gebiet. Zum einen sollen die Besucher gezielt geführt werden. Zum anderen ist geplant, sensible Bereiche ganz auszuklammern, den Bannwald zum Beispiel. Das Seilbahn-Projekt passt da vermutlich nicht rein. Außer unserer Naturschutzstation gibt es einen Beobachtungsturm, und wir werden bestimmte Wege ausweisen.

Die Leute sollen Spaß an der Natur haben und Wissen vermittelt bekommen. So ein Bauwerk in der Höhe wäre dann sozusagen die dritte Dimension.

 

BZ: Europa-Park-Gründer Roland Mack sagt, dass durch die Seilbahn die Natur den Menschen besser vermittelt werden könnte.

Neub: Das ist für mich nicht nachvollziehbar. Oder soll das dann so eine Art Baumkronenweg werden? Das Problem ist doch, dass man nicht weiß, wie sich die Seilbahn auf die Tierwelt auswirken wird. Das muss eingehend geprüft werden. Und völlig unklar ist auch, wie die Besucher, die heute schon ins Naturschutzgebiet kommen, darauf reagieren. Ich nehme nicht an, dass sie sich über eine Seilbahn freuen würden. Eines muss auch klar sein: Der Taubergießen ist eines der letzten relativ unberührten Naturschutzgebiete im Südwesten. Wenn die Seilbahn kommen sollte, wäre das nicht mehr so.

 

BZ: Wird das Gebiet nicht auch regelmäßig überschwemmt?

Neub: Ja, es gibt dort jedes Jahr große Überschwemmungen. Erst im Frühjahr waren die Besucherwege gesperrt und man kam gar nicht zum Beobachtungsturm. Was das für den Bau einer Seilbahn bedeuten könnte, vermag ich aber nicht zu sagen.


BUND

Axel Mayer, Geschäftsführer BUND Südlicher Oberrhein:

 

(Badische Zeitung, 7.11.2018)

"Der BUND sieht eine neue Seilbahn im Naturschutzgebiet äußerst kritisch und ablehnend. Wenn eine große Anzahl Menschen über den schönen Taubergießen gegondelt werden, dann wird die Verrummelung des Naturschutzgebietes noch einmal zunehmen. In letzter Zeit erleben wir in der Ökoregion Oberrhein immer heftigere Angriffe auf die Natur. Dazu gehört auch das krebsartige Wuchern des Parks und eine Europaparkisierung Südbadens."

 


 

LPO Elsässische Vogelschutzliga

 Christan Braun, Vorsitzender der elsässischen Vogelschutzliga (LPO):

 

(Badische Zeitung, 7.11.2018)

"Die negativen Auswirkungen von Seilen und Leitungen auf Zugvögel sind wohlbekannt. Dabei ist das Gebiet um Rhinau und Dieblosheim das zweitgrößte französische Überwinterungsgebiet für Wasservögel. Die dort vorhandenen Ökosysteme sind extrem bedeutsam und schutzbedürftig. Deswegen gehört es zum Natura-2000-Netzwerk. Wir glauben nicht, dass ein Seilbahn-Projekt mit den strengen Naturschutzauflagen des Gebietes vereinbar ist. "

 


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